Drei kleine Eichhörnchenbabys liegen eng aneinander gekuschelt in ihrem Nest. Alle drei Stunden müssen sie von Hand gefüttert werden. Geschwächte Tiere erhalten bei Bedarf Sauerstoff, werden gegen Parasiten behandelt oder wegen Fehlstellungen an den Zähnen versorgt. Was in der Eichhörnchen-Rettungsstation Burgdorf geleistet wird, verlangt Fachwissen, Zeit und viel persönliche Hingabe. Davon hat sich die SPD-Landtagsabgeordnete Thordies Hanisch jetzt bei einem Besuch ein Bild gemacht.

 

Stationsgründerin Mona Holk Gharib und die Tierärztin Dr. Diane Haake führten Hanisch durch die verschiedenen Bereiche der Station und erläuterten, wie verwaiste, verletzte oder geschwächte Eichhörnchen aufgenommen, medizinisch versorgt und Schritt für Schritt auf ein Leben in Freiheit vorbereitet werden.

 

„Hier wird hochprofessioneller Tierschutz geleistet – und das nahezu vollständig ehrenamtlich“, sagte Hanisch. „Mona Holk Gharib und ihre Mitstreiterinnen und Mitstreiter investieren unzählige Stunden, viel eigenes Geld und vor allem große Verantwortung in jedes einzelne Tier. Ein so großer Einsatz ist überwältigend. Die Leistung von Menschen wie Frau Holk Gharib ist unglaublich wertvoll.“

 

Seit 2020 betreibt Holk Gharib die Rettungsstation in Burgdorf. Sie verfügt über den erforderlichen Sachkundenachweis und hat eine Prüfung beim Veterinäramt der Region Hannover abgelegt. Zudem arbeitet die Station eng mit den zuständigen Behörden und mehreren Tierärztinnen zusammen. Die Unterbringung und Versorgung der Tiere werden regelmäßig überprüft. Im April 2026 wurde die Station mit dem Niedersächsischen Tierschutzpreis ausgezeichnet. Das Land würdigte damit die Arbeit der Station, die jährlich rund 100 verletzte oder erkrankte Eichhörnchen versorgt, aufzieht und wieder auswildert.

Allein in diesem Jahr wurden bereits 88 Eichhörnchen aufgenommen. Vor allem die hohen Temperaturen haben die Zahl der Notfälle stark steigen lassen.

 

„Den Klimawandel merken wir sehr deutlich“, berichtete Holk Gharib. „Durch die Hitze kommen derzeit viele stark dehydrierte Tiere zu uns. In überhitzten Kobeln halten es die Jungtiere teilweise nicht mehr aus. Sie verlassen das Nest oder fallen heraus, obwohl sie noch nicht allein überleben können. Daneben kommt es zu einem dritten Wurf kurz vor dem Winter. Wenn es dann wirklich kalt wird, haben die Jungen kaum Chancen genügend Futter zu finden, um die kalte Jahreszeit zu überstehen.“

 

Der Weg zurück in die Natur führt über mehrere Stationen. Sehr junge Tiere verbringen die erste Zeit in einem kleinen, geschützten Gehege, in dem sie vor allem schlafen und regelmäßig gefüttert werden. Später ziehen sie in größere Käfige um, in denen sie das Klettern üben. Anschließend kommen sie in Außenvolieren. Dort gewöhnen sie sich an Wind, Wetter und die Geräusche ihrer Umgebung und bauen ihre körperlichen Fähigkeiten weiter aus. Korkeiche an den Gittern bietet natürliche Klettermöglichkeiten und sorgt dafür, dass sich die Krallen ausreichend abnutzen. Mit einem Alter von etwa 16 Wochen werden gesunde und selbstständige Tiere ausgewildert. 

 

Ein Behandlungsraum im Untergeschoss des Hauses gehört ebenfalls zur Station. Hier werden die Tiere untersucht, gefüttert und desinfiziert, gegen Parasiten behandelt oder bei Zahnproblemen versorgt. Viele Behandlungen übernehmen Holk Gharib und die unterstützenden Tierärztinnen ehrenamtlich. Aufwendige Untersuchungen wie Computertomografien sowie Medikamente, Spezialnahrung, Baumaterialien und die tiergerechte Ausstattung müssen jedoch bezahlt werden. Im vergangenen Jahr beliefen sich die Kosten nach Angaben der Station auf rund 23.500 Euro.

 

Wer die Arbeit der Eichhörnchen-Rettungsstation unterstützen möchte, kann eine Namenspatenschaft für ein aufgenommenes Tier übernehmen und ihm einen Namen geben oder dauerhaft mit einer monatlichen Kleinspende Gefährte werden. Darüber hinaus freut sich die Station über Geld- und geeignete Sachspenden. Insbesondere Walnüsse, Haselnüsse, Sonnenblumenkerne, Desinfektionsmittel, Waschmittel, Gern kann unter: www.eichhoernchen-retten.de nachgeschaut werden. Dort sind Möglichkeiten zur Unterstützung hinterlegt und außerdem ist noch eine Wishlist eines Onlinehändlers verlinkt. Jede Spende trägt dazu bei, Futter, Medikamente, medizinische Untersuchungen und eine artgerechte Unterbringung der Tiere zu finanzieren. Vor allem das Futter geht ziemlich ins Geld. Aufzuchtmilch, Nüsse und Samen sind nicht günstig zu bekommen. Eine Kooperation mit einem Futtermittelbetrieb würde da sehr weiterhelfen.

 

„Dieser Besuch zeigt, wie viel eine einzelne Initiative für Tier- und Naturschutz bewirken kann, aber auch wie unglaublich viel Arbeit und Herzblut dafür nötig ist“, sagte Hanisch zum Abschluss. „Die Auszeichnung mit dem Niedersächsischen Tierschutzpreis ist hochverdient. Jetzt geht es darum, dieses wertvolle Angebot zu erhalten und ihm eine verlässliche Zukunft zu ermöglichen.“

 

Infos zu Eichhörnchen und zu Notsituationen:

Keine eingewanderten Arten in Deutschland unterwegs

Die in Deutschland vorkommenden Eurasischen Eichhörnchen können je nach Lebensraum unterschiedlich gefärbt sein – von Rot- und Brauntönen bis hin zu nahezu schwarzem Fell. Die dunklen Tiere sind daher keine eingewanderten Grauhörnchen. 

 

Unterstützung im eigenen Umfeld

Wer Eichhörnchen unterstützen möchte, kann ganzjährig eine flache Schale mit frischem Wasser aufstellen. Wichtig ist, die Schale regelmäßig gründlich zu reinigen, damit sich keine Algen oder Krankheitserreger bilden. Als Futter eignen sich vor allem ungesalzene und ungeröstete Wal- und Haselnüsse sowie Sonnenblumenkerne (auf keinen Fall Mandeln und Erdnüsse). Nüsse sollten möglichst mit Schale angeboten werden, da das Öffnen den natürlichen Zahnabrieb fördert. Für Jungtiere sollten aber auch schalenlose oder halbierte Walnüsse angeboten werden, da diese die Schalen zunächst noch nicht öffnen können.

 

Umgang mit eventuell hilfsbedürftigen (Jung-) Tieren

Wer ein vermutlich hilfsbedürftiges Jungtier findet, sollte sich möglichst umgehend fachkundig beraten lassen. Läuft ein Eichhörnchen einem Menschen hinterher oder klettert am Hosenbein hoch, ist das ein deutliches Notsignal. Jungtiere dürfen vorsichtig angefasst und gesichert werden; die Mutter verstößt sie deshalb nicht. Wenn keine unmittelbare Gefahr besteht, sollte zunächst beobachtet werden, ob das Muttertier zurückkehrt. Verletzte oder unterkühlte Tiere müssen geschützt und gewärmt werden. Bei ausgewachsenen Eichhörnchen sind wegen der kräftigen Nagezähne Handschuhe oder ein Handtuch erforderlich. Im Notfall ist die Station unter 01515 6119623 erreichbar.  Über die Homepage www.eichhoernchen.de kann auch direkt Kontakt mit den Tierärztinnen aufgenommen werden. Dort einfach auf den dazugehörigen Button drücken und sie werden verbunden. Der bundesweite Eichhörnchenschutz ist über 017655376864 erreichbar oder über eine in ihrer Nähe befindliche Wildtierauffangstation.

 

Bilder:

Gruppenfoto Hörnchenstation:

v.l.n.r.: Dr. Diane Haake, Thordies Hanisch und Mona Holk Gharib

Thordies mit Hörnchen 3:

Thordies Hanisch mit einem Eichhörnchen

Thordies und Mona beobachten Hörnchen:

v.r.: Thordies Hanisch und Mona Holk Gharib beobachten Eichhörnchen im Außengelände

 

v.l.n.r.: Dr. Diane Haake, Thordies Hanisch und Mona Holk Gharib stehen im Wald vor einer Voliere für die Auswilderung von Eichhörnchen. In der Voliere hängen viele gehäkelte Versteckmöglichkeiten für die Tiere