Um 6:00 Uhr morgens beginnt der Dienst der Justizwachtmeister am Amtsgericht Lehrte. Dabei geht es längst nicht nur um Sicherheit und Ordnung. Bei einem Besuch hat sich die Landtagsabgeordnete Thordies Hanisch ein Bild von den vielfältigen Aufgaben der Beamtinnen und Beamten vor Ort machen.

 

Der Besuch zeigt eindrücklich, wie anspruchsvoll der tägliche Einsatz der Justizwachtmeister ist. Thordies Hanisch bedankte sich zum Abschluss herzlich für die offenen Einblicke: „Ich freue mich sehr, dass ich mir vor Ort ein ehrliches Bild von den praktischen Abläufen machen konnte. Die Wachtmeisterinnen und Wachtmeister leisten eine unheimlich wertvolle Arbeit, damit am Gericht alles rund läuft. Wenn hier Fehler passieren, dann hätte das Auswirkungen auf alle Abläufe. Ganz zu schweigen von den Sicherheitsaspekten. Deswegen ist es der richtige Weg, den wir mit der Reform der Wachtmeisterausbildung einschlagen und dem Ziel die Besoldung an die anspruchsvoller gewordenen Aufgaben anzupassen.“

 

Vor der Türöffnung um 9:00 Uhr stehen zunächst organisatorische Aufgaben an: Der Nachtbriefkasten wird geleert, Posteingänge gestempelt sowie die Hauspost verteilt und eingesammelt. Sobald sich die Türen öffnen, sind die Wachtmeister die erste Anlaufstelle für Besucherinnen und Besucher und weisen ihnen den Weg, nehmen Telefonate an und vermitteln an die richtigen Ansprechpartner. Gleichzeitig steht die Sicherheit an oberster Stelle. „Wenn wir ein komisches Gefühl haben, schauen wir auch schon mal in die Schuhe, ob dort etwas versteckt ist.“, berichten die Bediensteten aus der Praxis.

 

Eigentlich ist das Team in Lehrte zu viert. Durch Krankheit oder Urlaub sind die Wachtmeister jedoch häufig nur zu dritt oder – wie am Tag des Besuchs – sogar nur zu zweit im Dienst. Die Aufgaben werden dadurch keineswegs weniger. Dass der Alltag dennoch gut funktioniert, liegt am starken Zusammenhalt im Haus. „Man kennt sich eben noch“, heißt es aus dem Team. Die Kolleginnen und Kollegen sind meist per Du und unterstützen sich gegenseitig. Das ist ein Vorteil eines kleineren Amtsgerichts wie in Lehrte.

 

Neben dem Personaldruck fordert auch die fortschreitende Digitalisierung die Wachtmeister vor Ort. „Betrachtet man das Verfahren insgesamt, macht die E-Akte die Abläufe auf jeden Fall einfacher und schneller“, resümieren sie. Für den Wachdienst bedeutet die Umstellung jedoch vorerst Mehrarbeit: Die weiterhin analog eingehende Post muss digitalisiert werden. Zwischen 600 und 800 Blatt Papier fallen in Lehrte an einem normalen Tag an. Allein das Scannen bindet eine Kraft für drei Stunden. Eine zweite Person ist im Anschluss weitere zwei bis drei Stunden damit beschäftigt, die Daten einzupflegen, Aktenzeichen zuzuordnen und alles zu kontrollieren.

 

„Bei meinen üblichen Besuchen – gerade in der Begleitung von Ministerinnen und Ministern bekomme ich selten Einblicke in den alltäglichen Ablauf der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Dieser Austausch ist aber immens wichtig, um die Funktionsweise zu verstehen und auch über Herausforderungen oder Lösungsansätze ins Gespräch zu kommen. Welche Auswirkungen politische Entscheidungen hier haben oder was verbessert werden kann.“, so Hanisch abschließend.